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Arbeitsmarkt vs Wunschberuf

Warum das AMS NÖ versuchsweise testet, Menschen ihre Berufswahl selbst treffen zu lassen.*

von Kathrin Weinelt | 25. September 2020

Das AMS Niederösterreich plant gerade ein Forschungsprojekt, das einem Ansatz folgt, der innovativer ist als es auf den ersten Blick scheint:
Entscheidungsfreiheit für Kund*innen!
Konkret stellt man sich hier die spannende Frage: Sollte man die Menschen lernen lassen, worauf sie Lust haben oder macht es mehr Sinn, sie in Schulungen für sogenannte „Zukunftsberufe“ zu buchen, die am Arbeitsmarkt gerade besonders gefragt sind? Wieviel Wahlfreiheit verträgt unsere Gesellschaft?

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Fakt ist: Der aktuelle Vergleich von Arbeitslosen und offenen Stellen zeigt, dass die erlernten Berufe oft nicht diejenigen sind, nach denen der Arbeitsmarkt verlangt. Bestimmte Berufsgruppen
werden – übrigens bereits seit Jahren – händeringend gesucht.

Zu diesen gefragten Berufen zählen vor allem Fliesenleger*innen, Zimmerer*innen, Maurer*innen, Dachdecker*innen, Bauspengler*innen, Bautischler*innen. Uff, sagt da so manche*r. Besondere Frauen können sich für diese handwerklichen Berufe, trotz vielfacher „Frauen in die Technik“-Initiativen, tendenziell eher selten begeistern. Doch auch in der Pflege finden sich nach wie vor viele offene Stellen, die mangels Nachfrage lange unbesetzt bleiben. Moralisch hoch angesehen, zu Zeiten von CoVid sogar öffentlich beklatscht, sehen immer noch (zu) wenige Menschen ihre berufliche Zukunft in der Pflege.


Dagegen ist die Nachfrage an Fachkräften für Bereiche wie Marketing, Human Resources oder Unternehmensmanagement in den letzten Jahren dramatisch gesunken – viele, zum Teil hoch gebildete Absolvent*innen scheitern derzeit an der Jobsuche. Die Krise verschärft diese Problembereiche, die schon seit längerem vorhanden sind, noch zusätzlich.

 

Liegt es an den fordernden Arbeitsbedingungen, der schlechten Bezahlung oder den anspruchsvollen Ausbildungen? Oder hat es auch mit gesellschaftlichem Ansehen zu tun? Mit der Frage, ob ich beim ersten Date als Dachdecker die gleichen verliebten Blicke ernte wie als HR-Manager? Und wie lösen wir das Problem, vor allem im Hinblick auf die Arbeitsmarktvermittlung?


Menschen in Qualifizierungskurse zu stecken, die zwar den Trends am Arbeitsmarkt, nicht aber den Wünschen der Klient*innen entsprechen, hat sich als mäßig erfolgreich erwiesen. Das AMS NÖ geht deshalb jetzt versuchsweise einen anderen Weg: In einem Pilotprojekt erhalten arbeitssuchende Personen einen „Ausbildungsscheck“ zur freien Verfügung. Am Ende wird erhoben: Waren sie bei der Jobsuche erfolgreicher als Klient*innen, die traditionell (also nach AMS-Vorgaben) qualifiziert und vermittelt wurden? Ein mutiger Schritt, hin zu mehr Selbstbestimmung der AMS-Kund*innen. Wahrscheinlich ist dieser Versuch aber vor allem dann erfolgreich, wenn er mit einer qualifizierten Bildungs- und Berufsberatung einhergeht. Denn die Menschen sind nicht dumm, sie wollen beides: Einen Beruf, der ihren Wunschvorstellungen entspricht, der aber auch gleichzeitig reelle Chancen auf einen (wohnortnahen) Arbeitsplatz bietet. Denn in einem Luftschloss friert sich´s leicht, das wissen die Leute – und sind bereit, entsprechend kluge Entscheidungen zu fällen, wenn man sie lässt.

Doch woran liegt es, dass es manche Berufe einfach nicht in die "Top Ten" der Wunschberufe von Auszubildenden schaffen, obwohl sie doch vegleichsweise gute Jobchancen bieten?

* Der Kommentar ist angelehnt an die schriftliche Zusammenfassung eines Workshops im Rahmen der ösb-Tagung "Arbeit... alles anders" von Dr. Georg Grund-Groiss, AMS Gänserndorf (16./17.9.2020)

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