Ein Jahr Pandemie im BFI

Im gesamten letzen Jahr war Corona und seine weitreichenden Folgen das bestimmende Thema in nahezu allen Gesellschaftsbereichen - so auch in der Erwachsenenbildung. Die Einrichtungen waren gezwungen, ihre Bildungsprogramme innerhalb kürzester Zeit zu modifizieren und an die Gegebenheiten anzupassen. Wie das BFI Burgenland mit diesen Herausforderungen umgegangen ist, erzählt Landesgeschäftsführer Jürgen Grandits im BiB Interview.

2021-06-10_BiB HP_Aktuelles.png
Wie Corona die Erwachsenenbildung im Burgenland geprägt hat

von Kathrin Weinelt / 10. Juni 2021

"Der erste Lockdown war für unsere Trainer:innen sehr herausfordernd. Quasi von einem Tag auf den anderen gingen wir ins Distance Learning, es fehlte an Vorbereitungszeit."  

Wie hat sich die Pandemie auf das BFI Burgenland ausgewirkt? Was hat sich im Vergleich zur Zeit „vor Corona“ verändert?

Seit Corona haben sich viele Dinge verändert. Neben dem sehr eingeschränkten Präsenzunterricht, dem Ausweichen auf Distance Learning und den damit verbundenen Herausforderungen, hat sich auch innerhalb des BFIs sehr viel verändert. Homeoffice Vereinbarungen, Desk Sharing, Clouddienste und webbasiertes kollaboratives Arbeiten waren vor Corona eher Randnotizen. Die Geschäftsführung musste rasch und kurzfristig auf unterschiedlichste technische Anforderungen reagieren und die Abläufe anpassen. Der Bereich der Digitalisierung erlebt seit Corona einen wahren Hype. Vor Corona wäre es undenkbar gewesen einen Großteil der Besprechungen und des Unterrichts online durchzuführen, mittlerweile steht das ganz normal auf der Tagesordnung und ist state oft he art.
 

Worin lagen die größten Herausforderungen im vergangenen Jahr?

Die größten Herausforderungen im letzten Jahr lagen zweifellos in der Beschaffung der technischen Infrastruktur (Laptops, Router, …), der Bereitstellung von digitalen Inhalten via Moodle, der Schulung von MitarbeiterInnen im Umgang mit den digitalen Tools und in der Integration der digitalen Abläufe in das Tagesgeschäft des BFI Burgenland ohne eine Parallelstruktur zu schaffen.

 

 

 

 

 

 

Wie gehen die Teilnehmer:innen mit der neuen Situation um?

Die Erreichbarkeit der TeilnehmerInnen ist sehr stark von der Zielgruppe abhängig. Grundsätzlich hat die jüngere Generation eine niedrige Hemmschwelle in der Nutzung von Onlinetools und dem digitalen Lernen, sie ist aber auch teilweise schwieriger zu motivieren. Die ältere Generation ist teilweise zwar mehr motiviert, es fehlt aber am technischen Verständnis, um einen annähernden Regelbetrieb in digitaler Form möglich zu machen. Zusammengefasst sind wir mit der Erreichbarkeit und der Motivation der TeilnehmerInnen zufrieden, wenngleich die Betreuung in der Zeit des Distance Learnings wesentlich aufwändiger ist als im Präsenzunterricht. Eine digitale Besprechung ersetzt leider keine Einzelcoaching im face to face. Unsere TrainerInnen müssen technische Unterstützungsleistungen anbieten, permanent motivierend auf die TeilnehmerInnen einwirken und Verbindlichkeiten einfordern.

Wie erging es den Trainer:innen in dieser Zeit?

Für die TrainerInnen war der erste Lockdown sehr herausfordern. Quasi von einem Tag auf den Anderen gingen wir ins Distance Learning. Dafür waren keine Strukturen vorhanden, es gab keine Regelungen bzgl. Kommunikationstool, keine einheitlichen digitalen Schulungsunterlagen. All das wurde erst im Laufe des ersten Lockdowns unter Hochdruck erarbeitet. Primär standen im ersten Lockdown das Aufrechterhalten des Kontaktes und die sozialpädagogische Betreuung im Vordergrund. Im Fortschreiten der Corona Krise wurden dann einheitliche Standards zur Kommunikation festgelegt, digitale Lerninhalte bereitgestellt und der fachliche Unterricht mit den TeilnehmerInnen intensiviert. Wenngleich die Bereitstellung von digitalen Lerninhalten mittlerweile gut funktioniert, kann der Praxisunterricht dadurch nie vollständig ersetzt werden. Vor allem in den ÜBAs und in den Gesundheitsausbildungen sind praktische Einheiten unerlässlich. Das Fehlen dieser praktischen Einheiten macht sich teilweise in den Ergebnissen der Lehrabschlussprüfungen bemerkbar. Diese zwei Bereiche sind auch stets die letzten Gruppen, die ins Distance Learning geschickt werden und die ersten Gruppen, die aus dem Distance Learning zurückkommen.

 

 

 

 

 

 

 

Wie planen Sie derzeit Ihr Kursprogramm? Worauf wird besonderes Augenmerk gelegt?

Wir haben in der Zeit des Lockdown sehr viele Arbeitsstunden in die Entwicklung von digitalen Inhalten gelegt. So ist es uns gelungen einen Gender Kurs in E-Learning Format und eine Ausbildung zur/m FachtrainerIn in Blended Learning Format zu entwickeln. Darüber hinaus haben wir mit externen Partnern verschiedene Ausbildungen wie beispielsweise Personalmanagement, BWL Grundlagen oder Online Marketing  im E-Learning Format entwickelt.

​​​​​Nach einem Jahr Pandemie, was ist Ihr persönliches Fazit? Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Neben den vielen Herausforderungen und teilweise auch traurigen Schicksalen brachte Corona auch einen enormen Digitalisierungsschwung mit sich. Digitale Abläufe die vor Corona undenkbar waren sind mittlerweile tägliche Routine geworden. Als Mensch, der grundsätzlich immer nach vorne blickt, sehe ich auch diese Krise als Chance.

 

"Als Mensch, der grundsätzlich immer nach vorne blickt, sehe ich auch diese Krise als Chance."

Steckbrief:

Name: Jürgen Grandits

Funktion: Geschäftsführer des Berufsförderungsinstituts (BFI) Burgenland

Arbeitet in der Erwachsenenbildung seit: Februar 2003

Die Corona-Pandemie verbinde ich in erster Linie mit........Veränderung .

Sie interessieren sich für Bildungsangebote zum Digitalen Lernen?